Im Falle eines Falles ist Reserve wirklich alles.

Die Konjunktur ist so launisch wie das Wetter. Epidemien sind selten pünktlich und Prognosen sind so sicher wie ein Sechser im Lotto. Aber keine Angst: Ihre Krankenkasse ist auf alles vorbereitet.

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In diesen Zeiten der regelmässig steigenden Prämien geben die Reserven der Krankenkassen häufig Anlass zur Polemik. Deshalb ist es angebracht, mit gewissen Vorurteilen aufzuräumen und daran zu erinnern, dass diese Überschüsse nicht dem Profit der Versicherer dienen. Sie sind im Gegenteil wesentlich für die Stabilität des Systems und garantieren, dass die Krankheitskosten der Versicherten jederzeit zurückerstattet werden.

Die Pflicht zur Reserve

Die Krankenkassen sind durch das Bundesgesetz betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (KVAG) zur Anlage von Finanzreserven verpflichtet. Dieses verlangt von den Versicherern ausreichende Reserven, um ihre Zahlungsfähigkeit zu garantieren. Die Mindesthöhe dieser Reserven wird durch den Bundesrat festgelegt.

Konkret bedeutet dies, dass die Krankenkassen in der Lage sein müssen, sogar in extremen Situationen die Kosten ihrer Versicherten begleichen zu können. Auch im Fall einer Pandemie oder einer negativen wirtschaftliche Entwicklung ist Ihr Versicherer dank seiner Reserven also finanziell solide genug, um Ihre medizinischen Kosten zu decken.

Ein weiterer wesentlicher Punkt: es ist den Krankenkassen verboten, sich zu verschulden. Dies im Gegensatz zu anderen Sozialversicherungen, wie der Invalidenversicherung, die jahrelang Defizite ansammelte und dann gezwungen war, sie durch einen Abbau der Leistungen zu kompensieren. Ein weiteres Argument für die entscheidende Bedeutung der Reserven.

Solvenztest

Um zu prüfen, ob die Versicherer genügend Reserven haben, müssen sie einen KVG-Solvenztest auf der Grundlage einer Risikorechnung bestehen. Dieser gleicht dem von der Finanzmarktaufsicht (FINMA) angewendeten Test zur Beurteilung der Privatversicherer, ist jedoch den Besonderheiten der obligatorischen Krankenversicherung angepasst. Er berücksichtigt die mit den Finanzmärkten verbundenen Risiken, aber auch bestimmte Situationen, wie das mögliche Auftreten einer Pandemie. Weitere Details zu diesen Berechnungen finden Sie auf der Website der Eidgenossenschaft.

Konkret entsprechen die Reserven der Krankenversicherer einem Betrag von rund zwei bis drei Monatsprämien pro Versicherten. Anders gesagt: wenn die gesamte Bevölkerung auf einen Schlag ihre Prämien nicht mehr bezahlen würde, könnten die Krankenkassen noch zwei bis drei Monate lang ihren Verpflichtungen nachkommen.

Was passiert im Fall von Überschüssen?

Wenn die Reserven eines Versicherers die gesetzlich geforderte Mindesthöhe überschreitet, verteilt er in bestimmten Fällen diesen Überschuss an seine Versicherten. Dieses Vorgehen erfordert die Zustimmung des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Aber wenn der Überschuss nicht sofort zurückbezahlt wird, geht er keineswegs “verloren”. Die Ausgaben übersteigen regelmässig die Vorhersagen und die überschüssigen Reserven werden so automatisch abgebaut. Sie dürfen jedoch in keinem Fall verwendet werden, um einen Gewinn zu erzielen.

Ein gemeinsamer Topf

Die Reserven der Versicherer werden regelmässig zum Diskussionsthema, besonders wenn wieder eine Prämienerhöhung angekündigt wird. Sie werden manchmal nicht verstanden oder als überrissen angesehen.

Es gilt jedoch zu beachten, dass diese Reserven ausschliesslich im Interesse der Versicherten angelegt werden. Ihre Gelder sind zur Rückerstattung der Pflegekosten bestimmt. Auch wenn sie momentan höher sind als der gesetzliche Mindestbetrag, werden sie später zurückbezahlt oder dienen zur Deckung nicht vorhergesehener Ausgaben.

Wie die Höhe der Prämien werden auch die Reserven streng überwacht. Sie hängen nicht vom Willen der Versicherer ab, sondern von ihren gesetzlichen Verpflichtungen.

Nicht zuletzt sind sie ein wesentlicher Bestandteil unseres Gesundheitssystems, das auf gegenseitiger Solidarität beruht. Sie machen keine Unterschiede zwischen den Versicherten, den Kantonen oder den Altersklassen. Es gibt keine individuellen Reserven, sondern einen “gemeinsamen Topf” im Interesse aller.

Wer das System der Reserven in Frage stellt, verfehlt also das eigentliche Ziel. Um konkret etwas gegen den Anstieg der Gesundheitskosten zu tun, ist dagegen ein kleiner Abstecher in unseren Guide für Versicherte sehr zu empfehlen!