Prämien nicht bezahlt - was riskiere ich?

Kann Ihr Versicherer die Vergütung von medizinischen Leistungen verweigern, weil die Prämienzahlungen im Rückstand sind? Ist Ihr Arzt verpflichtet, Sie zu behandeln? Wie steht es bei den Zusatzversicherungen?

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Bis 2012 wurde bei nicht bezahlten Krankenversicherungsprämien die Versicherungsdeckung ausgesetzt. Die Vergütung der Pflegekosten blieb also bis zur Bezahlung der ausstehenden Prämien blockiert. Seither ist die Gesetzgebung zwar milder geworden, sie ist aber von Kanton zu Kanton verschieden. Eine Konstante bleibt jedoch: es ist unmöglich, die Grundversicherung zu kündigen, solange es Zahlungsrückstände gibt. Sie müssen also sämtliche noch ausstehenden Prämien begleichen, bevor Sie die Krankenkasse wechseln können.

Die Kantone springen ein

Wenn die Prämien trotz Mahnung nicht bezahlt sind, ist die Krankenkasse gehalten, den Schuldner zu betreiben. Wenn dieses Verfahren mit einem Verlustschein endet, weil der Versicherte nicht über genügend Mittel verfügt, um die Rechnung zu bezahlen, übernimmt der Kanton 85 % der Aussenstände und die Versicherungsdeckung bleibt bestehen. In den meisten Fällen führt also eine Zahlungsunfähigkeit der Prämien nicht zu einer Unterbrechung der Pflege.

Ausnahmen und Schwarze Listen

Einige Kantone* registrieren jedoch die schlechten Zahler auf einer Schwarzen Liste, die von den Ärzten, Spitälern und Apotheken konsultiert werden kann. Den aufgeführten Personen wird ausser bei Notfällen jede medizinische Pflege verweigert, bis sie ihre Schulden beglichen haben. Diese Praxis ist von der Gesetzgebung zugelassen, die den Kantonen erlaubt, vom allgemeinen Prinzip abzuweichen.

Wie verhält es sich bei den Zusatzversicherungen?

Bei den Zusatzversicherungen ist die Situation anders. Diese unterliegen nicht dem KVG sondern werden wie jede andere Privatversicherung geregelt. Bei Zahlungsverzug nach einer ersten Mahnung kann der Versicherer dem Schuldner eine letzte Mahnung mit einer Zahlungsfrist von 15 Tagen zustellen. Nach Ablauf dieser Frist hat er das Recht, die Vergütung der Rechnungen bis zur Schuldenbegleichung einzustellen oder sogar den Vertrag fristlos zu kündigen. Aus diesem Grund ist es bei momentanen Zahlungsschwierigkeiten empfehlenswert, mit Ihrem Versicherer abzuklären, ob eine Rückzahlungsvereinbarung möglich ist, damit Sie Ihre Versicherung behalten können.

Weniger zahlen, aber rechtzeitig

Von den kantonalen Unterschieden mal abgesehen, lautet das Fazit: ein Zahlungsrückstand Ihrer Prämien und Rechnungen hat immer Konsequenzen. Bevor es so weit kommt, denken Sie daran, dass Haushalte mit bescheidenem Einkommen ein Anrecht auf Prämienverbilligungsbeiträge haben. Auch die Bestimmungen darüber sind von Kanton zu Kanton verschieden. Nähere Auskunft dazu finden Sie in der betreffenden Rubrik unseres Guide für Versicherte, der auch hilfreiche Tipps vermittelt, um Prämien zu sparen und unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

* Aargau, Graubünden, Luzern, Sankt Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Tessin, Thurgau und Zug.