Wofür zahlen wir Prämien?

Jedes Jahr nehmen wir mit zähneknirschend zur Kenntnis, dass die Gesundheitskosten und damit auch die Prämien wieder einmal Lift gefahren sind. Muss das eigentlich so sein? Erfahren Sie hier die Hintergründe und was Sie dagegen tun können.

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Der Kostenanstieg ist kein blindes Schicksal, sondern hat ein ganzes Bündel konkreter Gründe. Leider sind etliche davon für den Einzelnen kaum oder nur schwer beeinflussbar. Es gibt aber durchaus ein paar Dinge, die auch Sie tun können, um den Kostendruck erträglicher zu machen und den Anstieg Ihrer Prämien besser im Griff zu haben.

Die Deckung muss sich nach der Decke strecken

Im Bereich der obligatorischen Krankenversicherung müssen die Versicherer die Prämien so festsetzen, dass sie mit ihren Einnahmen (Prämien) die laufenden Ausgaben (Rückerstattung an die Versicherten) abdecken können. Bei der Prämienberechnung muss auch eine gesetzliche Reserve (Art. 60 KVG) berücksichtigt werden, damit die Kasse die eingereichten Rechnungen jederzeit vergüten kann. Und schliesslich kommt ein Verwaltungsanteil dazu, damit die Krankenkasse Ihre Leistungen im Interesse der Versicherten reibungslos und termingerecht erbringen kann. Verglichen mit den übrigen Ausgaben ist dieser Anteil allerdings sehr bescheiden. Auf einen einbezahlten Prämienfranken werden nur 5 Rappen für die internen Kosten der Versicherung (Verwaltung, EDV, Bearbeitung der Rechnungen, Information, Löhne, usw.) aufgewendet.

Den Löwenanteil bilden jedoch die Kosten der Leistungserbringer. Steigen die Kosten der Ärzte, Spitäler, Physiotherapeuten, für Medikamente und weitere medizinischen Leistungen, dann steigen parallel dazu auch die Prämien, weil sie notgedrungen den Kosten folgen.

Wie die Grafik zeigt, steigen die Prämien im Gleichschritt mit den Ausgaben für medizinische Leistungen. Die Verwaltungskosten der Krankenversicherer sind dagegen seit Jahren stabil.

Medizin wie im Supermarkt?

Die Gründe für den ständigen Anstieg der Gesundheitskosten sind vielfältig und so unterschiedlich wie die betroffenen Patienten, Ärzte, Pfleger, Versicherer und ihre vielfach gegensätzlichen, in letzter Konsequenz aber gleichlaufenden Interessen. Hier einige der wichtigsten:

  • Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt.
    Dagegen wird kaum jemand etwas einwenden, denn die nie geahnten Fortschritte der Medizin retten täglich Leben und erlauben tausenden von Patienten einen lebenswerten Alltag. Aber moderne Hightech-Ausrüstungen sind teuer und erhöhen die Gesundheitskosten.
  • Die ständige Ausweitung des Angebots.
    Laufend eröffnen neue Spezialärzte ihre Praxis an bisher weniger gut versorgten Orten und die Spitäler erweitern die ambulante Pflege. Laufend werden neue, noch leistungsfähigere Medikamente, Diagnose- und Therapiemethoden angeboten. Was für die einen ein Segen ist, weil sie bessere Leistungen erhalten, hat aber auch Auswirkungen auf die Kostenentwicklung. Denn ein zunehmendes Angebot führt über kurz oder lang zu einer steigenden Nachfrage.
  • Mehr ältere Menschen.
    Dank der immer besseren medizinischen Versorgung leben die Menschen heute wesentlich länger als früher. Dadurch fallen aber auch steigende Kosten an. Ein durchschnittlicher Versicherter kostet im Jahr rund 3500 Franken, ein über 85 Jähriger dagegen rund 11'000 Franken.
  • Die Supermarkt-Mentalität.
    Wir kennen es alle vom täglichen Einkauf. Wenn ein riesiges, attraktives Angebot zur Verfügung steht, ist die Versuchung gross, auch mal etwas zu shoppen, das wir nicht unbedingt gebraucht hätten. Das ist beim medizinischen Angebot ähnlich. Im Gegensatz zu den drei obigen Gründen, auf die der Einzelne wenig Einfluss hat, kann jeder von uns hier weitgehend frei entscheiden. Unter Choosing wisely finden Sie viele nützliche Tipps, wie Sie unnötige teure Behandlungen erkennen und vermeiden können.

Was können Sie tun?

Keiner von uns kann das Problem der Gesundheitskosten im Alleingang lösen. Jeder von uns kann aber in seinem persönlichen Bereich im eigenen Interesse etwas dazu beitragen:

  • Sparmöglichkeiten nutzen.
    Sie haben es in der Hand, durch die Wahl der Franchise, des Versicherungsmodells oder der Krankenkasse Ihrer Prämie einer Schlankheitskur zu verordnen. Im Guide für Versicherte finden Sie viele praktische Spartipps dazu.
  • Klug wählen.
    Unter Choosing wisely lesen Sie unter anderem, warum Generika eine Wohltat für Ihr Portemonnaie sind, welche Fragen Sie sich vor einem Gesundheitscheck stellen sollten, wie Sie sinnvolle von überflüssigen Untersuchungen unterscheiden können und weshalb eine Zweitmeinung nützlich ist, um bei bevorstehenden Eingriffen eine weniger riskante und kostspielige Alternative zu finden.

Sind die Appenzeller gesünder als andere?

Wie bei unserem föderalen System nicht anders zu erwarten, bestehen auch bei den Kosten pro versicherte Person - und damit bei den Prämien - grosse Unterschiede von Kanton zu Kanton. Der Grund ist allerdings nicht eine regional verschiedene Krankheitsanfälligkeit. Vielmehr spielt die unterschiedliche Bevölkerungszunahme, die Zahl der im Kanton praktizierenden Ärzte und die Anzahl der dort verfügbaren Spitalbetten eine Rolle. Je niedriger die entsprechenden Zahlen sind, umso niedriger sind die anfallenden Kosten und damit die Versicherungsprämien. Ein lückenloses lokales Pflegenetz hat eben seinen Preis.