Rolle Nr. 9

Reserven für eine schuldenlose Krankenversicherung

Um die Zahlungsfähigkeit einer Krankenkasse langfristig zu sichern, legen diese gesetzlich vorgeschrieben Reserven an. Diese sind das eigentliche Rückgrat einer jederzeit leistungsfähigen und schuldenlosen Krankenversicherung. Die Reserven werden aus dem Überschuss gebildet. Eine sozial tätige Krankenversicherung darf keinen Gewinn machen.

Im Unterschied zur Pensionskasse basiert die Krankenversicherung auf einer solidarischen Versicherung. Die Reserven einer Krankenkasse kommen deshalb allen Versicherten und Leistungserbringern zugute, denn sie gewährleisten ihnen jederzeit finanziell abgesicherte Versicherungsleistungen.

Das Versicherungsaufsichtsgesetz (KVAG) hält fest: “Die Versicherer müssen zur Sicherstellung der Solvenz im Bereich der sozialen Krankenversicherung ausreichende Reserven bilden.” Diese müssen am Jahresanfang so hoch sein, dass selbst bei einem starken Rückgang innert Jahresfrist diese zum Jahresende immer noch positiv sind. Entsprechen die Reserven nicht dem gesetzlich vorgeschriebenen Minimum, interveniert die Aufsichtsbehörde.

Wenn die Jahreseinnahmen eines Versicherers höher sind als die Ausgaben, wird die Differenz dem Reservekonto gutgeschrieben. Die Versicherer dürfen nämlich mit der obligatorischen Grundversicherung keinen Gewinn erzielen und sie dürfen aus den Mehreinnahmen auch keine Dividenden an die Aktionäre ausschütten. Die Reserven dienen ausschliesslich zur Kompensierung allfälliger Vorjahresverluste und kommen so vollumfänglich den Versicherten zugute. 

Die Reserven garantieren den Versicherten, dass bei Leistungskosten, welche die Prognosen übersteigen, keine Nachzahlungen verlangt werden – wie das beispielsweise bei der individuellen Heizkostenabrechnung nach einem strengen Winter der Fall ist.

Die Leistungserbringer ihrerseits haben die Gewähr, dass sie die Vergütung für ihre erbrachte Leistung am Patienten erhalten.

Die Reserven decken zudem das Unternehmerrisiko der Versicherer, zum Beispiel bei stark schwankenden Beständen oder Börsenkursen, sowie bei unerwartet auftretenden Epidemien oder Pandemien.

Gegenwärtig entsprechen die Reserven der Versicherer rund 20 % der Leistungen aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Dies entspricht rund zwei Monatsprämien pro versicherte Person. Im Vergleich dazu muss der AHV-Fonds zwölf Monatsausgaben zurückstellen.